Wenn der „Eiskorken“ schmilzt
Masse könnte Meeresspiegel im Laufe von Jahrtausenden um mehrere Meter steigen lassen
Durch das Verschwinden eines „Eispfropfens“ infolge der Klimaerwärmung könnte sich eine riesige Eismasse im Wilkes-Becken südlich von Australien in den Ozean ergießen und den Meeresspiegel im Laufe von Jahrtausenden um mehrere Meter steigen lassen.
Das berichten Matthias Mengel und Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in der Zeitschrift „Nature Climate Change“. Sie stützten ihr Szenario auf Computersimulationen und neue Erkenntnisse zum Untergrund der Antarktis. „Bislang galt nur die West-Antarktis als instabil, aber jetzt wissen wir, dass ihr zehnmal größeres Gegenstück im Osten möglicherweise auch in Gefahr ist“, wird Levermann in einer Mitteilung zitiert.
Mit Mengel untersuchte er das Wilkes-Becken im Osten des Kontinents. Dort, an der George-V.-Küste, hält ein „Eisstöpsel“ die sich dahinter auftürmenden Eismassen zurück. Die Forscher vergleichen das mit dem Korken einer Flasche. „Das Wilkes-Becken der Ost-Antarktis ist wie eine gekippte Flasche“, sagt Mengel. „Wenn der Korken gezogen wird, entleert sie sich.“ Die Forscher ließen in ihrem Modell die Wassertemperatur bis auf maximal 0,3 Grad Celsius ansteigen. Wenn der Stöpsel schmolz, floss das dahinterliegende Eis ab. In diesem Fall werde der Meeresspiegel um drei bis vier Meter steigen. Dieser Prozess würde der Simulation zufolge 5000 bis 10.000 Jahre dauern – und wäre auch durch einen Stopp der Erderwärmung nicht mehr aufzuhalten.
Den Simulationen der Wissenschaftler zufolge würde ein Abschmelzen des relativ kleinen „Eiskorkens“, der das Eisfeld derzeit zum Meer hin begrenzt, einen unaufhaltsamen Prozess auslösen. Das Eis liegt in einem riesigen Tal, das zum Landesinneren hin abfällt.